Warum heißt der erste Teil der christlichen Bibel 'Altes Testament'?

Die Tiefen des Alten Testaments

27/03/2023

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„Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er in den letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn“, so beginnt der Hebräerbrief in Kapitel 1, Vers 1. Diese Worte fassen treffend die Bedeutung des Alten Testaments zusammen: Es ist die umfassende und tiefgehende Offenbarung Gottes an die Menschheit, die den Weg für die endgültige Offenbarung in Jesus Christus bereitet. Das Alte Testament ist weit mehr als eine Sammlung alter Schriften; es ist eine lebendige Erzählung von Gottes Handeln in der Geschichte, seinem Wesen und seinem Heilswillen. Es legt die Fundamente unseres Glaubens und offenbart uns sowohl das Wesen Gottes als auch das Wesen des Menschen in seiner Beziehung zu seinem Schöpfer.

Was sind die vier Evangelien?
Mit den vier Evangelien werden die drei Gruppen von Menschen angesprochen, in die die Heilige Schrift die gesamte Menschheit einteilt: die Juden, die (anderen) Nationen und die Versammlung (= Gemeinde/Kirche) Gottes. Wir finden diese Einteilung an verschiedenen Stellen in der Heiligen Schrift: „Seid unanstößig den [1.] Juden und [2.]
Inhaltsverzeichnis

Der Inhalt des Alten Testaments: Eine Reise durch Gottes Offenbarung

Das Alte Testament ist eine umfangreiche Sammlung von Büchern, die in verschiedene Kategorien eingeteilt werden können. Jede dieser Kategorien trägt auf einzigartige Weise zur Gesamterzählung von Gottes Plan mit der Menschheit bei.

I. Der Pentateuch – Die Grundfeste der Offenbarung

Die ersten fünf Bücher des Alten Testaments, bekannt als der Pentateuch (griechisch für „fünf Rollen“) oder die Torah (hebräisch für „Weisung“, „Gesetz“), bilden das Herzstück der jüdischen und christlichen Tradition. Sie sind die wichtigsten Bücher des Judentums und legen die grundlegenden Prinzipien von Gottes Beziehung zu seinem Volk fest.

1. Buch Mose (Genesis – Der Anfang)

Das Buch Genesis beginnt mit der Schöpfung der Welt und der Menschheit. Es erzählt von der Urgeschichte, den ersten Menschen, dem Sündenfall und den Anfängen der Menschheit. Es ist wichtig zu verstehen, dass die Berichte der Urgeschichte (1. Mose 1-11) viele Fragen offenlassen, ähnlich wie die neutestamentlichen Berichte über das Ende der Welt. Gott hat uns nur das offenbart, was für unser Heil von Bedeutung ist. Das göttliche Handeln bleibt in vielerlei Hinsicht ein Geheimnis, ein Mysterium, das nicht vollständig von menschlicher Vernunft erfasst werden kann. Die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse der Biologie, Anthropologie, Geologie, Paläontologie und Astronomie können die biblischen Urgeschichten auf ihrer Ebene nicht widerlegen, da sie unterschiedliche Erkenntnisbereiche betreffen.

Nach der Urgeschichte beginnt die eigentliche Heilsgeschichte mit der Erwählung Abrahams (1. Mose 12-25). Dies ist der Beginn einer Linie, durch die Gott seinen Heilswillen offenbaren und erfüllen wird. Die Erzvätergeschichten umfassen Isaak, Jakob (der später den Namen Israel erhielt) und die faszinierende Geschichte Josefs (1. Mose 26-50). Durch diese Geschichten erfahren die Menschen immer mehr von Gott, seinem Wesen und seinem Plan. Es ist ein „pädagogisches“ Fortschreiten der Offenbarung Gottes, bei dem er sich seinem Volk schrittweise und immer tiefer offenbart.

2. Buch Mose (Exodus – Der Auszug)

Das Buch Exodus beschreibt die dramatische Befreiung Israels aus der ägyptischen Sklaverei unter der Führung des Mose. Ein zentrales Ereignis ist der Bundesschluss am Berg Sinai, wo Gott seinem Volk Israel Gebote gibt. Diese Gebote lassen sich in zwei Kategorien unterteilen:

  • Ethische Gesetze: Diese gelten für alle Menschen und sind im Gewissen eines jeden Menschen verankert, da der Mensch als Ebenbild Gottes geschaffen wurde (Röm. 2, 14 ff.). Sie bilden die Grundlage moralischer Prinzipien.
  • Spezielle Gebote für Israel: Diese galten spezifisch für Israel während der Zeit des Alten Bundes. Dazu gehören Bundesgebote wie die Beschneidung, zeremonielle und kultische Gebote für die Gottesverehrung, Reinheits- und Speisegebote. Insgesamt umfasst die Torah 613 Gebote, einschließlich der Zehn Gebote.

Es ist wichtig zu verstehen, dass von den göttlichen Gesetzen des Alten Testaments für uns heute nur diejenigen gelten, die sich im Neuen Testament wiederfinden. Diese werden jedoch im Neuen Testament vertieft und oft verschärft, wie es beispielsweise in Jesu Bergpredigt deutlich wird. Die Zehn Gebote (2. Mose 20) bilden eine grundlegende ethische Norm. Die Kirche und Martin Luther haben die im Alten Testament vorhandenen spezifischen Aspekte der Zehn Gebote, wie das Bilderverbot, das Namensgebot Jahwes und das Sabbatgebot, zu Recht „verchristlicht“, indem sie ihren geistlichen Gehalt für den neuen Bund interpretierten (vgl. Kleiner Katechismus Martin Luthers).

Nach dem Auszug aus Ägypten folgt die vierzigjährige Wüstenwanderung, eine Zeit der Prüfung und Läuterung für das Volk Israel, in der es Gottes Führung und Versorgung immer wieder neu erfahren musste.

3. Buch Mose (Leviticus – Tempel- und Opferdienst) & 4. Buch Mose (Numeri – Zahlen und Wanderung)

Diese Bücher enthalten weitere kultische Gebote, die detaillierte Anweisungen für die Priester, den Dienst in der Stiftshütte, den Opferdienst und die Feste Israels geben. Sie regeln auch Aspekte des äußeren Lebens des Volkes, wie Strafvorschriften, das Zinsverbot und Kleidervorschriften. Das 4. Buch Mose setzt zudem die Erzählung der Wüstenwanderung fort und beschreibt die Vorbereitung auf die Landverteilung Kanaans.

5. Buch Mose (Deuteronomium – Zweites Gesetz)

Das Deuteronomium, auch bekannt als das „Zweite Gesetz“ oder die „Wiederholung des Gesetzes“, besteht hauptsächlich aus Reden des Mose, in denen er dem Volk die Gebote Gottes noch einmal einschärft und sie auf die bevorstehende Landnahme Kanaans vorbereitet. Es ist ein Vermächtnis Moses an sein Volk, das die Treue zu Gott und seinen Geboten betont.

II. Die Historischen Bücher – Israels Weg im verheißenen Land

Nach dem Pentateuch folgen Bücher, die die Geschichte Israels von der Eroberung Kanaans bis zur babylonischen Gefangenschaft und der Rückkehr erzählen:

  • Josua und Richter: Berichten von der Eroberung des verheißenen Landes Kanaan unter Josua und den darauffolgenden Kämpfen mit heidnischen Völkern während der Zeit der Richter.
  • 2 Bücher Samuel, 2 Bücher Könige, 2 Bücher Chronik: Diese Bücher zeichnen die Geschichte der Könige Israels nach, angefangen bei Saul, David und Salomo, über die Teilung des Reiches in das Nordreich Israel und das Südreich Juda, bis hin zur Vernichtung des Nordreiches und der babylonischen Gefangenschaft des Südreiches. Sie zeigen die Höhen und Tiefen der Königreiche in ihrer Beziehung zu Gott.
  • Esra, Nehemia, Ester: Diese Bücher erzählen von der Rückkehr der Exilierten aus Babylon, dem Wiederaufbau Jerusalems und des Tempels sowie dem Schutz des jüdischen Volkes in der Diaspora.

III. Die Prophetenbücher – Gottes Ruf zur Umkehr und Verheißung

Insgesamt 17 Prophetenbücher enthalten die Botschaften Gottes an sein Volk, überbracht durch die Propheten. Diese Bücher sind gefüllt mit Warnungen vor Ungehorsam und Gericht, aber auch mit tröstlichen Verheißungen von Rettung, Wiederherstellung und dem Kommen des Messias. Die Propheten waren Gottes Sprachrohr in Zeiten des Abfalls und der Not, immer wieder mahnend zur Umkehr und zur Treue zum Bund Gottes.

IV. Die Weisheitsbücher und Psalmen – Reflexion über Leben und Glauben

Diese Kategorie umfasst poetische und weisheitliche Schriften, die tiefgehende Einblicke in menschliche Erfahrungen, Gottes Gerechtigkeit und das Streben nach Weisheit bieten:

  • Psalmen: Eine Sammlung von Gebeten, Lobliedern, Klagen und Dankliedern, die das gesamte Spektrum menschlicher Emotionen im Angesicht Gottes widerspiegeln.
  • Buch Hiob: Eine tiefgründige Auseinandersetzung mit dem Leid und der Gerechtigkeit Gottes.
  • Sprüche: Eine Sammlung von Weisheitssprüchen für das tägliche Leben.
  • Prediger (Kohelet): Eine Reflexion über die Vergänglichkeit des Lebens und die Suche nach Sinn.
  • Hohelied Salomos: Ein poetisches Buch über die Liebe zwischen Mann und Frau, oft allegorisch auf die Liebe zwischen Gott und seinem Volk bezogen.

Die tiefere Bedeutung des Alten Testaments

Das Alte Testament ist nicht nur eine historische Chronik, sondern eine theologische Offenbarung, die uns grundlegende Wahrheiten über Gott und den Menschen vermittelt.

Das Gottes- und Menschenbild im Alten Testament

Es lässt uns wissen, wie Gott ist und wie er mit den Menschen handelt. Es offenbart das Gottesbild des Alten Testaments: ein Gott, der barmherzig und gnädig ist, langmütig und reich an Güte und Treue (2. Mose 34, 6), der eine Einheit ist (5. Mose 6, 4 – Schma Israel). Gleichzeitig zeigt es uns, wie der Mensch ist, insbesondere nach dem Sündenfall (1. Mose 3). Das Menschenbild des Alten Testaments zeigt uns den Menschen als Ebenbild Gottes (1. Mose 1, 27), aber auch als Sünder, der sich von Gott abgewandt hat und der Erlösung bedarf.

Heilsgeschichte – Gottes Wirken in der Realität

Das Alte Testament bezeugt, dass Gott lenkend in die reale Geschichte eingegriffen hat und mit den Menschen einen Weg begonnen hat, der sie zum Heil führen soll – die Heilsgeschichte. Der jüdische und christliche Glaube ist in realen historischen Ereignissen verankert und beruht nicht auf bloßen Mythen, die keinen zeitlichen oder örtlichen Bezug haben. Diese Verankerung in der Geschichte verleiht dem Glauben eine einzigartige Glaubwürdigkeit und Relevanz.

Der Zyklus von Beziehung, Sünde und Gnade

Das Alte Testament erzählt immer wieder von der dynamischen Beziehung zwischen Gott und Mensch: Gott wendet sich den Menschen zu, redet zu ihnen, gibt und schenkt ihnen. Doch der Mensch ist oft ungehorsam und rebellisch, wendet sich von Gott ab und sündigt. Daraufhin straft Gott hart, doch bei Reue vergibt er und gewährt einen Neuanfang. Leider sündigen die Menschen kurz danach oft wieder. Diese Geschichte Israels soll uns als Belehrung, Mahnung und Warnung dienen, die menschliche Natur und Gottes unermüdliche Geduld zu erkennen.

Die Verheißung Christi im Alten Testament

An vielen Stellen weist das Alte Testament über sich selbst hinaus. Es wird deutlich, dass es nicht Gottes letzte Offenbarung ist, sondern die Erwartung und den Drang zur Fortführung der Heilsgeschichte, zur Erfüllung nährt. Durch das gesamte Alte Testament zieht sich die Verheißung, dass Gott seinem Volk und den Menschen aller Völker einst einen Retter, Erlöser, den Messias, den Christus, senden wird, der Hilfe bringt (der Name Jesus bedeutet „Jahwe/Gott hilft“) und alles neu macht. Diese Verheißungen beginnen mit Andeutungen und werden dann immer konkreter, ihren Höhepunkt erreichen sie beispielsweise in den Prophetien des Jesaja.

Typologie – Schatten des Kommenden

Im Alten Testament begegnen wir immer wieder einer sogenannten „Typologie“. Das bedeutet, dass Ereignisse, Personen oder Institutionen im Alten Testament als „Schatten auf das Künftige“ (Kol. 2, 17; Hebr. 10, 1) dienen und Ereignisse, die sich später mit Jesus abspielen, bereits vorbilden. Beispiele hierfür sind: Abrahams Bereitschaft, Isaak zu opfern; die Tempelopfer, die auf das endgültige Opfer Christi hinweisen; der Hohepriester; das Passahmahl; Melchisedek; der Lebenslauf Josefs; die Leiden Hiobs; oder Jona im Fischbauch, der ein Vorbild auf Jesu Tod und Auferstehung ist.

Da Jesus Christus gekommen ist, müssen wir das Alte Testament unter dem Gesichtspunkt der Verheißung auf Christus und der Erfüllung in Christus lesen, verstehen und auslegen. Das gilt auch für die Predigt über das Alte Testament. Jesus Christus ist die Mitte der Offenbarung Gottes, der Bibel, ja, auch des Alten Testaments, und muss es auch in der Verkündigung der Kirche sein. Wie Augustinus so treffend sagte: „Das AT ist das verhüllte (verborgene) NT und das NT ist das enthüllte (erfüllte) AT.“

Hermeneutik: Das Alte Testament heute verstehen

Wenn wir Texte des Alten Testaments lesen, stellen wir uns die Fragen: Was wurde den Menschen der damaligen Zeit damit gesagt, und wie haben sie es verstanden? Was war der historische Hintergrund? Welche Erkenntnis ziehen wir heute aus diesem Text, da wir um die Erfüllung des Alten Testaments, um das Kommen und die Botschaft Jesu Christi wissen?

Allgemein gilt, wenn wir wissen wollen, was Gott uns mit den biblischen Texten sagen will, müssen wir die Texte befragen:

  • Was sagt Gott über sich und seinen Willen für uns?
  • Welche Sünden, Irrwege oder falschen Glaubensvorstellungen werden im Text aufgezeigt? Erkennen wir Vergleichbares in unserer Zeit, in unserem persönlichen Verhalten und Leben? Das ist die Anfrage und Anklage des göttlichen Gesetzes und der Ruf zur Umkehr, zur Buße.
  • Mit welchen Worten wird ein Ausweg gezeigt, wird auf Gottes Gnade und Vergebung gewiesen (Evangelium = frohe Botschaft)? Sollten einmal solche Worte im unmittelbaren Text fehlen, so dürfen wir getrost solche aus anderen Abschnitten dazunehmen. Denn wir kennen die Heilsgeschichte und den Heilswillen Gottes und das Gnadenangebot der Vergebung der Sünden im Namen seines Sohnes Jesus Christus (Röm. 5, 1.2.8-10).

Entstehung, Verfasser und Kanon des Alten Testaments

Die Erforschung der Entstehungsgeschichte des Alten Testaments hat zu unzähligen, teils widersprüchlichen Hypothesen geführt. Es wurde behauptet, dass viele Personen des Alten Testaments nicht gelebt hätten, sondern nur literarische Erzählfiguren seien – wie Adam und Eva, Noah, Hiob, Jona, Mose, Abraham oder David. Die traditionellen Verfasserschaften, wie Mose und die Propheten, und damit auch die Entstehungszeiten der biblischen Bücher, werden oft in Frage gestellt. So wird beispielsweise argumentiert, dass die Bücher Mose nicht von Mose selbst (ca. 1500 v. Chr.) stammen, sondern erst viel später, in der Königszeit (ca. 1000 v. Chr.) oder während der babylonischen Gefangenschaft (ca. 600 v. Chr.), verfasst wurden. Auch die Erzählungen der Urgeschichte sollen altbabylonischen Mythen entlehnt sein, und im ersten Buch Mose fänden sich verschiedene Erzählstränge („Quellenscheidungstheorien“ – Jahwist, Elohist, Priesterschrift), die später durch einen Redaktor vereinigt worden seien.

Dass den Büchern des Alten Testaments ein komplexer Entstehungsprozess vorausgegangen sein mag, der mit einer zunächst mündlichen Überlieferung begann, dann über schriftliche Vorstufen bis hin zur endgültigen Abfassung reichte, ist nicht nur möglich, sondern sogar wahrscheinlich. Hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, dass eine mündliche Überlieferung heiliger Texte nicht von vornherein als unsicher eingestuft werden sollte. Ein beeindruckendes Beispiel ist die Fähigkeit vieler Muslime heute noch, den gesamten Koran auswendig zu kennen. Im Falle Moses ist zudem zu bedenken, dass er am Hof des Pharao erzogen wurde und daher höchstwahrscheinlich auch schreiben konnte.

Die schriftlichen Überlieferungen heiliger Texte waren in Israel geradezu perfektioniert. Bei Abschriften biblischer Schriften wurde beispielsweise die Anzahl der Buchstaben in jeder Zeile zur Kontrolle nachgezählt, um Fehler zu vermeiden. Ein bemerkenswerter Beleg für die Zuverlässigkeit der Überlieferung ist die 1947 in Qumran aufgefundene Jesaja-Rolle, die im 2. Jahrhundert vor Christus geschrieben wurde. Sie stimmt mit dem Buch Jesaja in unseren heutigen Bibeln mit großer Genauigkeit überein. Dies ist ein eindrucksvoller Nachweis einer fehlerfreien schriftlichen Überlieferung über einen Zeitraum von über 2200 Jahren! In der Theologie besteht weitgehend Einigkeit, dass die ca. 3000 uns vorliegenden handschriftlich überlieferten biblischen Texte mit ihren Varianten zu weit über 90% übereinstimmen, was die Konsistenz und Zuverlässigkeit der biblischen Botschaft unterstreicht.

Für das Alte Testament war der Abschluss der Schriftwerdung (Kanon) bereits vor dem Kommen Jesu erreicht. Die Übersetzung des Alten Testaments ins Griechische, die Septuaginta, begann schon ab 250 v. Chr. Und Jesus selbst hat sich immer wieder auf das Alte Testament bezogen und sich zu ihm als dem Wort Gottes bekannt. Damit verliert der Entstehungsprozess mit den Fragen nach mündlichen Vorüberlieferungen, Verfasserschaften, Redaktoren, Datierungen und der Zuverlässigkeit der Überlieferungen seine theologische Bedeutung. Jesus hat das Alte Testament in der Form, wie es zu seiner Zeit im Gebrauch war, als Wort Gottes autorisiert. Oft sagt Jesus und die Evangelisten schreiben: „es steht geschrieben“, „habt ihr nicht gelesen“, „auf das erfüllt wird“ – was die Autorität der Schrift unterstreicht.

So wie uns die Bibel heute vorliegt, so hat Gott sie gewollt (Inspiration, 2. Tim. 3, 16) und uns als sein Wort gegeben. So hat er sie uns überliefern lassen. Es bleibt also immer nur zu fragen und unter Erleuchtung seines Geistes zu verstehen und zu glauben, was Gott uns im Einzelnen mit seinem Wort gesagt hat und heute der Welt und Kirche und auch uns persönlich sagen will (Hermeneutik, Exegese, Applikation).

Übersicht der Bücher des Alten Testaments

Um einen schnellen Überblick über die Struktur und den Inhalt des Alten Testaments zu geben, dient die folgende Tabelle:

Kategorie der BücherAnzahl der BücherKerninhaltBeispiele
Pentateuch (Torah)5Schöpfung, Urgeschichte, Erzväter, Auszug aus Ägypten, Gesetzgebung, BundGenesis, Exodus, Leviticus, Numeri, Deuteronomium
Historische Bücher12Eroberung Kanaans, Richterzeit, Königszeit, Exil, RückkehrJosua, Richter, 1. & 2. Samuel, 1. & 2. Könige, Esra, Nehemia
Weisheits- und Poetische Bücher5Lobpreis, Gebet, Weisheit, Sinn des Lebens, LiebeHiob, Psalmen, Sprüche, Prediger, Hohelied Salomos
Große Propheten5Umfassende Weissagungen, Warnungen, Trost, MessiasprophetienJesaja, Jeremia, Klagelieder, Hesekiel, Daniel
Kleine Propheten12Kürzere Prophetien, spezifische Botschaften, ApokalyptikHosea, Joel, Amos, Jona, Micha, Maleachi u.a.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Alten Testament

1. Ist das Alte Testament heute noch relevant?

Absolut. Das Alte Testament ist die Grundlage für das Verständnis des Neuen Testaments und der gesamten Heilsgeschichte. Es offenbart Gottes Charakter, seinen Umgang mit der Menschheit und seine grundlegenden moralischen Gesetze. Ohne das Alte Testament wäre das Neue Testament unverständlich, da es die Verheißungen und Vorbilder für die Person und das Werk Jesu Christi enthält. Es dient uns als Belehrung, Warnung und Quelle tiefer Einsichten in Gottes Plan für die Welt.

2. Wie unterscheidet sich das Alte Testament vom Neuen Testament?

Das Alte Testament legt die Fundamente und enthält die Verheißungen Gottes an sein Volk, oft durch Gesetze, Propheten und die Geschichte Israels. Das Neue Testament hingegen berichtet von der Erfüllung dieser Verheißungen in Jesus Christus. Es offenbart Gottes endgültige Offenbarung durch seinen Sohn, seinen Tod und seine Auferstehung, die Gründung der Kirche und die Botschaft der Gnade und Erlösung. Während das Alte Testament oft von Gesetz und Bund spricht, betont das Neue Testament die Gnade und den neuen Bund in Christus.

3. Sind die Geschichten im Alten Testament wörtlich zu verstehen?

Die Frage nach der wörtlichen oder allegorischen Interpretation ist komplex und hängt vom jeweiligen Textabschnitt ab. Während viele historische Berichte im Alten Testament als faktische Ereignisse verstanden werden, gibt es auch poetische, weisheitliche oder prophetische Abschnitte, die symbolische oder typologische Bedeutungen haben. Die Urgeschichte (1. Mose 1-11) wird oft als theologische Wahrheit über Gottes Schöpfung und den Ursprung der Sünde verstanden, die nicht primär als naturwissenschaftlicher Bericht zu lesen ist. Wichtig ist, die Absicht des Autors und die literarische Gattung des Textes zu berücksichtigen, um seine Botschaft korrekt zu erfassen.

Das Alte Testament bleibt eine unerschöpfliche Quelle der Weisheit und Offenbarung, die uns ein tiefes Verständnis von Gottes unermüdlicher Liebe, seiner Gerechtigkeit und seinem Heilswillen vermittelt, der in Jesus Christus seine höchste Erfüllung gefunden hat.

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